Die Stimme der Umwelt

Thomas Gulden, Nachhaltigkeitsbeauftragter und Leiter für Umwelt- und Arbeitsschutz

Heute ist Weltumwelttag 2014. Wir haben Thomas Gulden getroffen, unseren Nachhaltigkeitsbeauftragten und Leiter für Umwelt- und Arbeitsschutz.

Er ist nun schon seit 13 Jahren in dieser Funktion für die SGR zuständig.

TeaserVor 42 Jahren, am 5. Juni 1972 fand der erste Umweltgipfel in Stockholm statt. Wie haben sich die Themen seitdem verändert?

Thomas Gulden: Seit der Rio-Konferenz 1992 liegt der Schwerpunkt ganz klar auf dem Klimaschutz. Die Klimaschutz-Konvention sieht vor, dass die Belastung der Atmosphäre mit Treibhausgasen auf einem Niveau stabilisiert werden muss, um eine gefährliche Störung des Weltklimas zu verhindern. Aber auch das weltweite Artensterben und die Zerstörung der Wälder und Meere wurden in den bisherigen Umweltgipfeln intensiv diskutiert.

Am Montag haben die USA verkündet,  den CO2-Ausstoß drastisch senken zu wollen. Gleich Hunderte von Kohlekraftwerken sollen in den kommenden Jahrzehnten geschlossen werden. Alternative Energiequellen sind aber noch recht teuer. Ist das trotzdem der richtige Weg?

Thomas Gulden: Man muss sagen, dass die USA einen anderen Weg einschlagen als Europa. Bis 2030 sollen sie, festgelegt per Gesetz, ihre Emissionen um 30 Prozent gegenüber 2005 verringern. Die einzelnen Bundesstaaten dürfen aber selbst entscheiden, mit welchen Maßnahmen sie das Ziel erreichen. Möglich sind etwa effizienzsteigernde Umbauten bestehender Anlagen oder der vermehrte Einsatz von Wind- oder Solaranlagen zur Energiegewinnung. Europa gibt hingegen auch den Kurs vor, wie die Treibhausgase eingespart werden sollen. Das ist der große Unterschied. Meiner Meinung nach ist die gesetzliche Vorgabe seitens Präsident Obama eine gute Alternative für den Klimaschutz.

Abgesehen von der Reduzierung der CO2-Emissionen: Welchen Herausforderungen muss sich praktizierter Umweltschutz außerdem stellen?

Thomas Gulden: Natürliche Ressourcen, insbesondere Rohstoffe, sind wesentliche Produktionsfaktoren und damit Grundlagen unseres Wohlstands. Steigende und schwankende Rohstoffpreise sowie Versorgungsrisiken belasten die deutsche Wirtschaft. Mit einem reduzierten Ressourcenverbrauch lässt sich also Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Auch Strom sollte in den nächsten Jahrzehnten aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Ein schonender und gleichzeitig effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen wird daher eine Schlüsselkompetenz zukunftsfähiger Gesellschaften sein.

Welche Aufgabe hat die Schreiner Group dabei?

Thomas Gulden: Wir haben eher speziellere Herausforderungen. Da wir in der Druckbranche tätig sind, haben wir einen hohen Lösemittelverbrauch. Hier haben wir durch den Kauf von speziellen Reinigungsanlagen den Verbrauch schon deutlich gesenkt. Aber wir wollen hier noch besser werden. Das Ziel für 2014 ist eine weitere Reduktion um sieben Prozent, durch Verwenden lösemittelfreier Farbsysteme und dem Einsatz weiterer automatischer Reinigungsanlagen.

Die Schreiner Group investiert große Mühen in den Umweltschutz und in nachhaltiges Wirtschaften. Welche Erfolge haben wir bisher erzielt?

Thomas Gulden: Wir konnten die CO2-Emissionen in den letzten vier Jahren, bezogen auf die Bruttowertschöpfung, um 66 Prozent senken. Schon 2013 haben wir sie um 60 Prozent verringert, da wir seit diesem Jahr am Bruckmannring ausschließlich grünen Strom beziehen. Den Anteil an erneuerbaren Energien erhöhten wir 2013 von 15 Prozent auf 39 Prozent und wollen ihn  auch künftig weiter vergrößern.

Klimaschutz hat auch immer etwas mit Vorbildern zu tun. Auf was verzichten Sie persönlich, um das Klima zu schonen?

Thomas Gulden: Ich weiß, dass es fürs Klima gut ist, wenn ich mit der Bahn in die Arbeit komme. Deshalb verzichte ich nun schon seit fünf Jahren aufs Auto. An Wochenenden versuche ich öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, auch wenn man oft größere Zeitverluste in Kauf nehmen muss. Im Supermarkt kaufe ich nur Produkte, die ökologisch produziert wurden oder aus der Umgebung kommen. Ich denke aber auch, man muss von den Menschen nicht immer alles verlangen was möglich ist. Es ist bereits wertvoll, wenn man überhaupt einige Dinge aus ökologischem Bewusstsein heraus ändert.

Ausblick auf den Weltumwelttag 2015: Was müsste geschehen sein, damit Sie sagen: „Das war ein gutes Jahr?“ 

Thomas Gulden: Die USA haben bereits ihre CO2-Ziele definiert und China werden diese in ihrem Fünfjahresplan demnächst bekanntgegeben. Europa sollte bald nachziehen und die nur bis 2020 formulierten Ziele auf einen längeren Zeitraum ausbauen und unsere Vorreiterrolle wieder wahrnehmen, die in den letzten zwei Jahren leider abhandengekommen ist.

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